Gesunde Kost für Hund und Katz

Einige Grundlagen und praktische Hinweise zur Ernährung

Die Werbung suggeriert dem Hunde- und Katzenhalter, dass Fertignahrung das Gesündeste für die Vierbeiner ist: Doch worauf kommt es beim Füttern wirklich an?

In der Nähe der Praxis liegt der Hof eines erfolgreichen Biobauern mit großer Auswahl und netter Cafeteria. Da kommen dann Leute aus der Stadt rausgefahren, um einige Köpfe Salat und ein Kilo Möhren aus biologischem Anbau direkt beim Erzeuger zu kaufen. Und weil der (ganzheitlich arbeitende) Tierarzt gleich um die Ecke liegt, statten sie ihm bei dieser Gelegenheit einen Besuch ab. Beim Beratungsgespräch über die optimale Ernährung ergibt sich dann die Frage: "Essen Sie selbst eigentlich viel aus der Konserve?" Was entrüstet verneint wird (man fährt ja viele Kilometer zum Biobauern). "Aber ihrem Hund macht das nichts?" - Betretenes Schweigen. Und kleinlaut: "Daran habe ich noch gar nicht gedacht."

Deshalb zunächst einige grundsätzliche Überlegungen zur Ernährung ganz allgemein. Es ist die Macht der Werbung, die uns suggeriert, es gibt nichts Besseres als Fertigfutter für unsere lieben Vierbeiner. Während in den USA mindestens drei von vier Haustieren aus der Dose oder dem Beutel ernährt werden, ist es bei uns nicht mal die Hälfte aller Hunde und Katzen. Da liegt also immer noch ein großer Markt brach, den es aufzuarbeiten gilt.

Angemessene Werbeetats bringen uns in der täglichen Presse eine Flut neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse frei Haus und dem Tierbesitzer per Medien das Bewusstsein: Richtig ernährt werden unsere Haustiere nur mit Fertigfutter. Dass dies nicht unbedingt richtig ist, will dieser Beitrag vermitteln: nicht  g e g e n Fertignahrung, sondern mit ihr - aber mit Verstand. Nach der Devise: Soviel wie nötig, so wenig wie möglich.

Tierbesitzer sind leicht verunsichert, wenn sie von drei verschiedenen Tierärzten drei verschiedene Meinungen hören. Vielleicht liegt es daran, dass der Tierarzt auch nicht mehr über die Funktion der Nahrung weiß als ein Humanmediziner (wo es ebenfalls an Sachkenntnis mangelt), nicht zuletzt, weil darauf im Studium relativ wenig Wert gelegt wird. Oft haben Veterinäre sogar weit weniger Hintergrundwissen als Laien, die sich, häufig als Folge eigener Erfahrung, eingehend mit diesem Thema beschäftigt haben.

Seit vor ca. 35 Jahren das erste Fertigfutter auf den Markt kam, haben sich die Produzenten in Verbindung mit den Hochschulen große Mühe gegeben, den Bedarf von Hund und Katze zu ermitteln, um möglichst optimale Fertigfutter-Angebote herstellen zu können. Es liegt in der Natur der Sache, dass in einem synthetischen (künstlich zusammengesetzten) Futter nur das enthalten sein kann, was man auch hineingibt. Und man gibt das hinein, wovon man weiß, dass es benötigt wird. So ist die Palette der als notwendig angesehenen Stoffe stetig gewachsen und die Werte für die benötigten Mindestmengen unterliegen immer wieder Korrekturen. Das Gleiche spielt sich übrigens für den Menschen ab.

Ganz offensichtlich ist das Futter (die Nahrung) immer nur so gut, wie die jeweiligen wissenschaftlichen Erkenntnisse - und die unterliegen einem ständigen Wechsel. Wenn heute ein neues Futter mit wieder neuen "wichtigen" Zusätzen beworben wird, bedeutet das doch, dass das bisherige Futter unvollständig war. Und dieses Futter wird morgen wieder von einem noch besseren abgelöst - weil es immer noch nicht vollständig ist.


Worauf kommt es an?

Die wilden Verwandten unserer Haushunde sind in ihrer Nahrungsauswahl nicht kleinlich. Wölfe verzehren vom Wildschwein über Reptilien bis zu Regenwürmern alles, was die Situation bietet. Aber auch Beeren, Obst und Pilze werden nicht verschmäht. Die Zusammensetzung der Nahrung variiert stark nach geographischer Verbreitung und Jahreszeit, ein schnelles Umsteigen von einer Nahrungsquelle zur andern ist möglich.

Die Nahrung der Wildkatze reicht vom Rehkitz über Frösche bis zu Skorpionen. Das ist ein weites Spektrum, bleibt aber i.a. auf Tiere beschränkt. In Europa sind als Tagesbedarf ca. 12 (!) Mäuse anzusehen.

Entwicklungsgeschichtlich hat sich der Hund im Laufe seiner Domestikation, für die einige 100 Generationen erforderlich waren, offensichtlich den Ernährungsgewohnheiten des Menschen angepasst, während die Katze nicht dazu gezwungen war. Ihre Hauptaufgabe war es immer gewesen, die Schädlinge in den Nahrungsspeichern zu dezimieren, also Mäuse zu fangen, und sich damit selbst zu ernähren. Dafür wurde sie schon in der Zeit der Pharaonen geschätzt.

Beiden gemeinsam aber ist die Abnahme der Hirngröße um ca. 30% im Laufe ihrer Entwicklung. Haushunde fressen bei gleichem Nahrungsangebot um 50% weniger als gleich schwere Wölfe, das Nahrungsspektrum aber ist sicherlich noch weiter.
Wildkatzen sind ausgesprochene Fleischfresser und bei Hauskatzen wird sich diese Ernährungsweise nicht fundamental ändern lassen. Daran sollten Vegetarier denken, wenn sie ihr Essverhalten auch ihren Tieren beibringen möchten.

Die Bedarfswerte sind in der Literatur sehr unterschiedlich angegeben. Fest steht aber, dass Hund und Katze bis zu 6-mal mehr Proteine brauchen als der Mensch. Bei Katzen liegt der Bedarf sogar um etwa 60% höher als bei adulten Omnivoren und Herbivoren, d.h. bei erwachsenen Allesfressern und Pflanzenfressern.

Aber das sind Werte, die die Fachleute interessieren, die sich mit der Komposition der Fertigfutter beschäftigen. Für eine gesunde (Normal-)Ernährung in der täglichen Praxis sind sie nicht wichtig. Vorausgesetzt, man hat sich einige grundsätzliche Gedanken gemacht und beachtet wenige arteigene Unterschiede. Natürlich gelten für kranke Tiere (z.B. mit chronischem Nierenproblem) andere Regeln.


Nährstoffe sind das A und O

Prinzipiell haben die Inhaltsstoffe im Hunde- und Katzenfutter die gleiche Bedeutung wie in der menschlichen Nahrung. Als Nahrungsmittel (häufig gleichbedeutend für Lebensmittel) werden alle pflanzlichen und tierischen Produkte bezeichnet, die zum Aufbau und zur Erhaltung des Körpers sowie zur Energielieferung beitragen.

Nährstoffe sind die in den Lebensmitteln enthaltenen chemischen Substanzen, aus denen der Organismus körpereigene Stoffe bilden kann. Bei den Auf- und Abbauvorgängen werden gewisse Substanzen ständig ausgeschieden. Dies ist der so genannte Stoffwechsel, ein Charakteristikum des Lebens. Der wichtigste Prozess ist die Energiegewinnung durch Oxidation von Substanzen durch den mit der Atmung aufgenommenem Sauerstoff.

Während des Wachstums wird ein erheblicher Teil der Nährstoffe zum Aufbau des Körpers verwendet. Aber auch im erwachsenen Körper finden Aufbauprozesse statt (z.B. Muskelbildung durch Training). Hauptsächlich aber dienen die Nährstoffe dem Ersatz von Körpersubstanz, wobei die Schätzungen des Erneuerungsbedarfs zwischen 2 und 10 Millionen Zellen pro Sekunde (!) liegen.

Protein hat in erster Linie Bedeutung für den Aufbau und die Erhaltung der verschiedenen Körpergewebe wie Muskeln und Organe. Es wird deshalb auch als "Träger des Lebens" bezeichnet. Für die menschliche wie tierische Ernährung ist Protein um so wertvoller, je ähnlicher seine Zusammensetzung der des Konsumenten ist, desto höher ist auch die biologische Wertigkeit des Proteins.

Neben den Proteinen tierischer Herkunft können aber auch von Carnivoren (Fleischfressern) pflanzliche Proteinträger sachgerecht verwandt werden. Diese können mit Proteinen tierischer Herkunft sowohl bezüglich ihrer Wirtschaftlichkeit als auch ihres Aminosäuremusters konkurrieren.

(Kleine Anmerkung zu Carnivore: das ist der wissenschaftliche Begriff für den "Fleischfresser". Korrekter wäre die Bezeichnung "Tierfresser", denn außer dem, was wir als Fleisch bezeichnen, wird ja fast alles von der Beute gefressen.)

Ballaststoffe sind Kohlenhydrate, vorwiegend aus pflanzlichen Zellwänden, besonders Zellulose, die von den Enzymen des tierischen Verdauungstraktes nicht abgebaut werden, aber den Mirkoorganismen des Dickdarms gewissermaßen als Nahrungsgrundlage dienen und die Beweglichkeit des Darms und damit die Verdauung fördern. Zum Teil werden sie umgewandelt, meist aber unverändert ausgeschieden. Wenn Raubtiere ihre Beute verzehren, fressen sie mit dem Magen und Darm auch deren Inhalt, also verdautes Grünfutter. Ein großer Teil davon ist für Carnivoren unverdaulich, er ist somit eine natürliche Quelle für Ballaststoffe.

Seit über 100 Jahren gilt die Analyse der Nahrungsmittel und die Bestimmung der Bedarfswerte für den Konsumenten (Mensch und Tier) als einzig wahrer Weg zur richtigen Ernährung. Offenbar aber ist es bis heute nicht gelungen, weder alle Inhaltstoffe der Nahrung noch den tatsächlichen Bedarf des Organismus zu finden. Denn ständig werden uns neue Erkenntnisse mitgeteilt, was wir noch brauchen und was jetzt auch noch im Präparat bzw. im Futter drin ist. Was nichts anderes heißt, als dass immer ein nicht näher zu bestimmender Teil des Ganzen unbestimmt und infolgedessen auch unbeachtet bleibt. Alle Aussagen, die aus Ernährungsversuchen gewonnen werden, sind mit dem Makel behaftet, dass sie als Einzelstoffe und über einen viel zu kurzen Zeitraum beobachtet wurden.


Die Qualität der Nahrung

Wie relativ Versicherungen über Wirksamkeit und Unschädlichkeit sind, erleben wir immer wieder, wenn Arzneimittel trotz strenger Prüfung vor der Zulassung nach der Markteinführung plötzlich Nebenwirkungen zeigen, an die vorher niemand gedacht hatte.

Wenn wir in einen Benzinmotor Diesel füllen, versagt er nach kurzer Zeit. Man reinigt ihn, und dann wird er mit Benzin wieder laufen, als wenn nichts geschehen wäre.

Die Nahrung, die wir und unsere Tiere aufnehmen, ist aber nur zum kleinen Teil mit dem Benzin für den Motor vergleichbar. Der wesentliche Teil der Nahrungsenergie und -substanz wird für den Aufbau und Ersatz lebender (Körper-) Substanz verbraucht. Der Mensch z.B. produziert sein eigenes Körpergewicht im Laufe seines Lebens etwa tausendmal: er ist, was er isst.

Bemühungen, allein aus der biochemischen Analyse und aus der Kalorienmenge den Wert von Nahrungsmitteln ermessen zu wollen, sind dem Versuch vergleichbar, die Qualität eines Orchesters aus dem Gewicht und dem Material der Instrumente zu beurteilen. Es muss also andere Kriterien geben, die uns etwas über die Qualität der Nahrung sagen können.

Ohne hier auf die Erkenntnisse von Spezialisten wie Kollat ("Die Ordnung unserer Nahrung") einzugehen und deren Bestätigung durch Biophysiker (z.B. Popp) und Molekularbiologen, sei auf einige allgemeine Grundsätzlichkeiten hingewiesen, die jedem bei etwas Nachdenken geläufig sind. Wenn wir bei der Betrachtung der Nahrung keine großen Unterschied zwischen Tier und Mensch machen, befinden wir uns nicht so sehr im Abseits.


Der Forscher Anderson fand zwei bemerkenswerte Aspekte der Ernährungsprobleme unserer Haustiere, die in den letzten Jahren aufgetaucht sind:

- der Unterschied zwischen Hund und Katze hinsichtlich ihres Futterbedarfs und Stoffwechsels

- die Ähnlichkeit zwischen Mensch und Hund hinsichtlich gewisser ernährungsbedingter Krankheiten.

Es ist doch auffällig, dass in den Regionen der Erde, in denen eine kohlenhydrat- und ballaststoffreiche Ernährung vorherrscht, bestimmte Zivilisationskrankheiten der hochindustrialisierten "Wohlstandsländer" gar nicht vorkommen.


Praktische Fütterung



Grundsatz:

So frisch wie möglich, so wenig Fertigfutter wie nötig. Der Hund kann alles bekommen, was wir auch essen und was so zubereitet (gewürzt) ist, dass Kinder es vertragen. Während des Wachstums sind häufige kleine Mahlzeiten besser als wenige große. Der wachsende Hund zeigt Ihnen, wann Sie reduzieren sollen. Fresser werden nicht geboren, sondern erzogen!

Richtwerte:

bis 4 Monate: 5 x täglich
4-6 Monate: 4 x täglich
6-10 Monate: 3 x täglich
10-12 Monate: 2 x täglich
ab 12. Monat: 1 x täglich


Die tägliche Ration nach Größe des Hundes evtl. auf mehrere Mahlzeiten pro Tag verteilen (bei großen Rassen Gefahr der Magenüberladung/Magendrehung) und dem Wachstum entsprechend steigern. Nach einer Faustregel wächst der Hund im ersten Jahr in die Höhe (die Knochen), im zweiten in die Breite (die Muskulatur), im dritten stabilisiert sich sein Wesen.


Jegliches Übergewicht soll vermieden werden, besonders im Wachstum. Wenn im ersten Jahr zuviel Eiweiß gefüttert wird und der Welpe sehr lebendig ist, fördert das die Muskelbildung mehr als es die jungen Knochen aushalten.


Grundnahrungsmittel:

- rohes Rindfleisch (Kopffleisch mit Sehnen und Fett, oder einfaches Suppenfleisch)

- nie rohes Schweinefleisch füttern, denn das könnte Erreger enthalten, die nicht für Menschen, wohl aber für Hund und Katze gefährlich sind

- Innereien eher selten

- Hühnerfleisch, Hammel, Kaninchen, Fisch, roher Pansen

- Reis, Haferflocken, Nudeln sind reine Füllmittel

- Kartoffel und anderes Gemüse gekocht bzw. gedünstet; roh wird nicht verdaut, es sei denn in geraspelter Form wie für den Säugling, da Hund und Katze die Fasern ja auch nicht zerkauen.

- Milchprodukte (Quark, Naturjoghurt, Hüttenkäse)

Sie können ein Flockenfutter als Grundlage nehmen (mengenmäßig soviel, dass es genug ist für die Kondition, aber zuwenig zum Zunehmen) und z.B. mit Kartoffelwasser, Gemüse- oder sonstiger Brühe angießen. Darunter mengen Sie von den oben genannten Grundnahrungsmitteln, was Sie gerade zur Verfügung haben. Mit Kartoffeln (oder anderem Gemüse) machen Sie die Portion so groß, dass der Hund satt wird.


Mineralfutter:

Fürs Knochenwachstum muss Calcium/Phosphor während des ganzen ersten Jahres in für den Hund feststehendem Verhältnis (steht auf der Packung) zugegeben werden.

Leckerchen sind Kalorienbomben - wenn sie in Mengen gegeben werden! Alternativ eignet sich ein Stückchen Knäckebrot oder einfach trockenes Brot, zur Eingewöhnung vielleicht mit sehr wenig Butter oder Leberwurst. Das muss der Hund nämlich richtig kauen. Bringt ihm Spaß, aber keine Kalorien.

Gelegentlich sollten Sie auch aus der Dose füttern, damit der Hund lernt, dass man so etwas auch fressen kann: Falls es einmal schnell gehen soll, Sie unterwegs füttern müssen oder jemand anders den Hund versorgt.

Das Gleiche gilt für Trockenfutter. Es ist zwar sehr praktisch, aber wer erlebt hat, dass die Brocken bei Erbrechen noch nach 4 bis 5 Stunden komplett, nur gequollen, herauskommen, weiß, dass diese Zubereitung offenbar nicht so sehr der Verdauung förderlich ist. Denn alles Verdauliche wird in flüssiger Form vom Körper aufgenommen. Also Trockenfutter i.d.R einweichen. Nur wenn´s nicht anders geht, wenn es mal schnell gehen soll, z.B. auf Reisen, trocken füttern.

Keine Knochen  f r e s s e n  lassen, denn das kann massive Verstopfungen verursachen, die nicht durch Medikamente, sondern nur operativ entfernt werden können (wer "barfen" möchte, sollte es richtig tun!). Gelegentlich sollte der Hund aber mal einen rohen Gelenkknochen (Knie oder Haxe) zum Absuchen und Knabbern bekommen. Der Knochen soll so groß sein, dass der Hund ihn nicht knacken kann: also je nach Gebissgröße Rinder-, Kalbs- oder Hammelknochen, keine Hühnerknochen (die splittern). Das reinigt die Zahnoberfläche und festigt die Schneidezähne.

Für die Katze eigen sich auch Kotelettknochen, vom Schwein nur gebraten, vom Lamm auch roh.

Zum Training der Kaumuskulatur geben Sie dem Hund Kauknochen oder rohen Pansen, der Katze rohes Rind (Gulaschstück): es soll gekaut und nicht verschlungen werden.

So ernährt, werden es Ihnen Ihre Tiere mit guter Gesundheit und stabilem Gebiss danken!

 

(Dieser Artikel erschien in ähnlicher Form erstmals 1990 in der Zeitschrift "Biologische Veterinärmedizin" © Michael Wolters)

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Anmerkung:

Nachdem verschiedene Hundebesitzer meine Ausführungen zur Ernährung im Zusammenhang mit einer Goldakupunktur für Barfen hielten, habe ich mich mit der B.A.R.F. - Idee beschäftigt und stelle fest, dass Dr. Billinghurst, der Erfinder des Barfens (sein Buch erschien 1993, hier seine Website), ähnliche Gedanken hatte wie ich.

Im deutschsprachigen Internet ist die Zahl der B.A.R.F. - Seiten nicht mehr überschaubar. Einen kritischen Kommentar liefert Swanie Simon (Das Brimborium um BARF) , der auch zeigt, wie eine gute Idee pervertiert wird, wenn sie zur Religion gemacht und von Fanatikern mißbraucht wird.

Eine gute Zusammenstellung findet sich auf der Internetseite von Karen Beestroem (hier) , die ohne erkennbaren kommerziellen Hintergrund detailiert auf die Praxis des Barfens eingeht.


Grundsätzlich gibt es aber beim Barfen ein Mißverständnis:

Die Idee, alles roh zu füttern, scheint naheliegend. Ist aber  n i c h t  natürlich. Hunde bzw. ihre wilden Verwandten fressen kein rohes Gemüse (Grünfutter). Sie fressen rohen Pansen und Darm, und nehmen damit genug Grünzeug auf, um ihren Bedarf an Inhalts- und Ballaststoffen zu decken. Aber dieses Grünzeug ist  v e r d a u t , es ist wie  z u b e r e i t e t , anders hätte der Organismus auch wenig Nutzen davon. Wer rohes Gemüse füttern will, muß es zerkleinern (im Mixer) wie für ein zahnloses Baby. Wo gäbe es das in der freien Natur? Hunde kauen nicht oder kaum, sie haben ihre Zähne vorwiegend zum Festhalten und Zerteilen der Beute und zum Brechen der Knochen.

Deshalb ist die Idee, gekochtes Gemüse zu füttern, weit naturnäher. Die Zubereitung in der Küche bricht die Pflanzenzelle auf und macht die Inhalte für den tierischen Organismus verwertbar - ähnlich dem Verdauungsprozess im tierischen Magen und Darm.

Nach Dr. Billinghgurst ist die Philisophie hinter B.A.R.F. die Erkenntnis, dass das beste Futter für den Hund so sein sollte, wie es in der Millionen Jahre währenden Entwicklung des Hundes ("over many millions of years of evolution") gewesen sei. Grundsätzlich richtig, dabei bleibt aber unberücksichtigt, dass der Hund seit etwa 10.000 Jahren mit dem Menschen zusammen lebt. Und in dieser Zeit hat der Hund sich an menschliche Kost adaptiert (die in der Steinzeit auch nicht viel anders war als die von Wölfen). Hunde bekamen die Reste vom Menschenessen, sie durften sich nicht selbst versorgen. Niemand hat extra für Hunde gekocht. Das war noch bis vor einer Generation so. Wer wollte da behaupten, dass sich die Physiologie des Hundes innerhalb von 30 Jahren so umgestellt hat, dass (vernünftige) Menschenkost nicht hundegerecht sei?